Prolog Heft 2: „Spurensuche eines Dorfes in der Marsch“

In diesem Heft beschreibt Barbara Töpper die bauliche Entwicklung und die sozialen Strukturen des Ortes Suurhusen von 1750 bis 1800. Erwin Wenzel widmet sich in einem zweiten Beitrag besonders den Lebensbedingungen des Gesindes in dieser Zeit. Außerdem präsentiert und erklärt das Heft mehrere Quellen zum Alltagsleben in der Marsch.

1255 wird Suurhusen erstmals urkundlich erwähnt. Über die Bebauung und das Leben im Dorf ist bis Mitte des 18. Jahrhunderts wenig bekannt. Um 1750 wurden im Dorf 199 Einwohner über 12 Jahre gezählt, wobei die Menschen, die in den drei Armenhäusern des Dorfes lebten, nicht mitgezählt wurden. Das Dorf hatte damals 56 registrierte Wohnhäuser, darunter 11 große Bauernhäuser, 30 Warfhäuser, davon neun mit zwei Wohnungen, drei Armenhäuser, die Pastorei, die Lehrerwohnung und die Schule. Etwa die Hälfte der großen Höfe im Dorf gehörte Emder Bürgern, der großen Kirche oder der preußischen Regierung; diese Höfe wurden von Pächtern bewirtschaftet. Neben den Landwirten und den Landarbeitern lebten im Dort Mitte des 18. Jahrhunderts drei Schuhmacher, zwei Bäcker, zwei Zimmerleute, ein Krugmacher, ein Schuhflicker, zwei Weber, zwei Schneider, acht Spinnerinnen und eine Strickerin.

Die lokalen Angelegenheiten wurden auch im Ort geregelt. Gemeindevorsteher, Armenvorsteher und Kirchenvögte wurden von Bewohnern des Dorfes gewählt, wobei das Stimmrecht an die Größe des Landbesitzes gekoppelt war. Suurhuser ohne oder mit wenig Landbesitz hatten kein Stimmrecht, während große Bauern mehrere Stimmen besaßen. Der Selbstverwaltung oblag unter anderem die Nutzung der Gemeindeweiden und die Instandhaltung der Wege, Brücken und Brunnen. Die Gemeindevorsteher hatten Streitfälle zwischen den Bewohnern zu schlichten und wurden zu Landesherrlichen Verwaltungsdiensten herangezogen, zum Beispiel zur Kontrolle der Maße, Gewichte und Preise. Das Gesinde war nicht nur nicht an der Organisation des gemeinschaftlichen Lebens beteiligt sondern auch gegenüber seinen Dienstherrn weitgehend rechtlos. Eine Gesindeordnung gab es im 18. Jahrhundert nicht; es galt das Ostfriesische Landrecht von 1515. Danach waren zum Beispiel Züchtigungen des Gesindes nur verboten, wenn der Dienstbote „blutrünstig oder blau geschlagen“ war. Ob es aber den Dienstboten im 18. Jahrhundert überhaupt möglich war, ihr Recht einzuklagen, ist zu bezweifeln.

Hier eine Skizze der alten Ortschaft Suurhusen:

Das Heft hat 48 Seiten und ist durchgängig in schwarz/weiß gedruckt.
Zahlreiche Fotos und Lagepläne erläutern den Text.

Erschienen im Selbstverlag im Jahr 1997

Druck: A. Bretzler, Emden

Copyright: Landarbeitermuseum Suurhusen e. V.