Prolog Heft 1: „Landarbeiterleben in der Marsch von 1900 bis 1950“

Das Leben eines Landarbeiters in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war karg und von festen hierarchischen Strukturen und tradierten sozialen Praktiken bestimmt. An der Spitze dieser Hierarchie stand der Landwirt, der nicht nur den Ablauf des 12- bis 15-stündigen Arbeitstages bestimmte, sondern auch für die Ernährung und die Schlafmöglichkeiten zuständig war und über den regelmäßigen Kirchgang seiner Arbeiter wachte. Ihm war es zum Beispiel erlaubt, bei hohem Arbeitsanfall Kinder aus der Schule „freizufragen“. Die rechte Hand des Bauern war der Grootknecht, dem der Lütjeknecht (oft kaum älter als 17 Jahre) und der Potjung (soeben mit 14 Jahren aus der Schule entlassen) untergeordnet waren.

Auf einem größeren Hof arbeiteten in der Regel jeweils zwei bis drei Knechte, Mägde sowie Landarbeiter. Die Anstellungsverträge wurden üblicherweise für ein Jahr geschlossen. Zudem konnte der Landwirt auf Tagelöhner und Saisonarbeiter zurückgreifen. Im Unterschied zu den Knechten und Mägden, die auf dem Hof lebten, bewohnten die Landarbeiter ein eigenes Haus mit einem kleinen Grundstück zur Selbstversorgung. In der großen Mehrzahl pachteten sie das Hausgrundstück von ihren Bauern, wenn sie sich verheirateten.


Alerk Janssen und Remmer Iben erzählten anschaulich vom Leben unter diesen Bedingungen. Während Iben aus einer Familie mit (wenn auch kleinem) Landbesitz stammte, wuchs Janssen in einer typischen Landarbeiterfamilie auf.
Iben ergriff den Beruf des Knechtes aus freiem Willen und mit Begeisterung; eine Tischlerlehre brach er ab. Er arbeitete 50 Jahre für einen Bauern, dem er im Lauf der Zeit zum Partner wurde.
Für Janssen hingegen war es alternativlos, Landarbeiter zu werden. Er schilderte drückende Lebensbedingungen auf den Marschhöfen und sein Engagement für die Rechte der Landarbeiter zu Beginn der zwanziger Jahren. Relativ schnell war für ihn klar: „Nie wieder bei einem Bauern arbeiten!“ Alerk Janssen suchte deshalb Arbeit in der Industrie- und Hafenstadt Emden. Bei der Bahn wurde er 1925 als Zeitarbeiter eingestellt, arbeitete anschließend in der Brikettfabrik, war 1928 Saisonarbeiter beim Telegrafenamt und fand 1935 schließlich eine Festanstellung bei der Bahn.

Das Heft hat 24 Seiten und ist durchgängig in schwarz/weiß gedruckt.
Zahlreiche Fotos erläutern den Text.

Erschienen im Selbstverlag im Jahr 1997

Druck: A. Bretzler, Emden

Copyright: Landarbeitermuseum Suurhusen e. V.