Seltene Dokumente



Erlaubnisschein

Dieser Erlaubnisschein vom 15. Juni 1931 machte es dem Kaufmann Johann Penaat möglich, geistige Getränke aller Art „in versiegelten oder verkapselten mit der Firma des Herstellers oder Händlers versehenen Flaschen“ in seinem Ladenraum zu verkaufen. Da der Ausdruck geistige Getränke heute weniger bekannt ist, ist eine kurze Erklärung sicherlich nötig. Von dem lateinischen Begriffen spiritus „Geist“ bzw. spirituosa „Geistiges“ leitet sich die Spirituose oder „geistiges Getränk“ ab. Die Landarbeiter und nicht nur sie haben in den 19hundertdreißiger Jahren sicher „Schnaps“ oder „Branntwein“ dazu gesagt.

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Dem Dokument kann man entnehmen, dass er auch verpflichtet war, nichtgeistige Getränke anzubieten. Interessant ist, dass die „Bedürfnisfrage“ gestellt wurde. Da nur der Wirteverein für Emden und Umgegend (aus Gründen der Konkurrenz, E. W.) diese Frage verneint hat, demgegenüber das „Jugendamt“!, die Ortspolizei wie die Gemeinde diese Frage bejaht hat, hat der Kreisausschuss des Landkreises Emden mit der Bemerkung, dass in der Ortschaft Suurhusen mit 593 Einwohnern dieser Kleinhandel noch nicht konzessioniert sei, die Erlaubnis erteilt. Es ist nicht bekannt, ob Johann Penaat nur die geschlossenen Flaschen verkauft hat, oder ob er manchmal auch im Laden den Durst hat löschen lassen. Das bleibt auch in der Genehmigung unklar. In den Rücknahmebestimmungen ist durchaus von Ausschank die Rede, während die Genehmigung nur von Handel spricht.

Außerdem sind die Anforderungen an die Zuverlässigkeit des Betriebsinhabers sehr streng und können zudem von der Polizei „jederzeit“ kontrolliert werden.

Diese Art der Reglementierung gibt es heute (leider) nicht mehr.

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Gesinde-Dienstbuch


Sie sehen hier die erste Seite des Gesinde-Dienstbuchs von Reemtje U. Berg[1] aus Groothusen. Ausgestellt ist es für die 14jährige Reemtje von der örtlichen Polizeibehörde am 29. Dezember 1885. Die Gesindedienstbücher wurden 1846 in Preußen eingeführt und 1872 im Deutschen Reich verbindlich. Sie nannten Namen, Heimatort, Alter und äußere Kennzeichen der Magd. Sie gaben Auskunft über Tätigkeiten und Dauer der Arbeit für die Dienstherren und mussten bei Antritt einer neuen Stelle der örtlichen Polizeibehörde vorgelegt werden.

Reemtje hatte keine Chance, einen anderen Arbeitsplatz zu bekommen und sei ihr Schulzeugnis auch noch so gut. Sie konnte und musste ihre Arbeitskraft auf dem Lande der bäuerlichen Herrschaft voll zur Verfügung stellen. Reemtje Berg war verheiratet mit Ubbo Alberts. Sie hatten drei Kinder, Jan Alberts (nach Amerika ausgewandert), Eeke Alberts (ver-heiratet mit Eilert Schmid, drei Kinder), Wippke Alberts (verheiratet mit Cousin Gerd Berg).

Alle 14 Tage bestand zwar das Recht auf einen Sonntagsausgang, in der Realität aber wurde dieser oft nicht gewährt. Nur ein Teil des Lohns wurde ausbezahlt, der übrige Lohn wurde in Naturalien, insbesondere Kost und Logis, erbracht. Der Herrschaft stand (wie den Eltern) das Gewohnheitsrecht der Züchtigung als Erziehungsmittel zu, gegen körperliche Übergriffe durfte sich das Gesinde nur im Falle der Gefährdung des eigenen Lebens wehren. Mägde und Knechte mussten sich ausdrücklich Beleidigungen gefallen lassen. In Großbritannien wurde bereits 1875 die Rechtsungleichheit zwischen Gesinde und Arbeitgeber aufgehoben. In Deutschland war dies erst nach der Revolution von 1918 der Fall.

Sie ist als Reemtje Albers geb. Berg am 5. Februar 1950 verstorben.

[1] Über Reemtje U. Berg selbst ist uns nach dem bisherigen Forschungsstand nichts Näheres bekannt.